Während Lacan einst in Deleuzes Einführung zu Sacher-Masoch das Intelligenteste sah, was es über Sadismus und Masochismus zu lesen gebe, bezieht sich die letzte Arbeit von Deleuze und Guattari, as ist Philosophie?, kaum noch auf die lange Auseinandersetzung, die die beiden mit Lacan und der Psychoanalyse, insbesondere im Anti-Ödipus, geführt haben. Bedeutet dies aber, dass die Philosophie der Kunst und der »Wahrnehmungsblöcke«, die sie in ihrem letzen Buch entwerfen, die Psychoanalyse überwindet? Dass jede Anspielung auf die Triebwandlungen und auf die Notwendigkeit, ein neues Hören zu öffnen, sowie eine Therapie der Psychosen zu entwerfen, nun überflüssig geworden ist? Dass es nicht mehr notwendig ist, auf angemessenere Weise Verwerfung, Verdrängung und Verleugnung, d.h. die Mechanismen von Psychose, Neurose und Perversion zu verstehen und mit ihnen umzugehen?
Sicher ist genau das Gegenteil der Fall. Und gerade die späte Philosophie von Deleuze erlaubt es, die für die Psychoanalyse fundamentale Frage der Übertragung sowie ihre Theorie und Praxis der Negativität neu zu entwerfen. Und für das Denken tritt die Frage auf, inwieweit die Gefahren der Verrücktheit die Philosophie zwingen, neue Wege zu beschreiten.