WARUM IST
DIESES BUCH ENTSTANDEN?
Es gibt mehrere Gründe: Einer davon ist das 30-jährige Jubiläum der Konfrontationen, ein anderer,
dass Hans und ich etwa gleichzeitig (im Herbst letzten Jahres) eine ähnliche Idee hatten. Ich glaube,
uns schwebte, damals zwar noch unklar, genau dieses Buch vor.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass einfach die Notwendigkeit bestand, etwas zu schaffen, das
man angreifen kann, das leichter wahrzunehmen und zu behalten ist, als die Musik. Don Robinson, der
gerade bei uns (in Wien) wohnt, hat gesagt, that it is very important to write things down ... This place
and the spirit is in the heart of so many musicians, in the hearts of the people who live there. This
shouldn’t be forgotten, so I am very happy that you write it down, that you make this book...
Allerdings ist dieses Buch kein Rückblick auf 30 Jahre Veranstaltung. Wir haben versucht, die
momentane Stimmung einzufangen sowie Haltungen der Involvierten zur Gegenwart und zur
Vergangenheit, nicht nur rein auf die Musik bezogen, sondern auf das ganze Leben. Wir machten
Interviews: per email, per post oder tête à tête. Wir baten verschiedenste Leute um Beiträge, wir
machten eigene Themenvorschläge und wir freuten uns über die Ideen der Schreibenden ... Wir
konnten nicht alle fragen und auch nicht alle, die wir um einen Beitrag baten, konnten oder wollten
dem nachkommen.
Ich glaube aber, dass das, was wir hier zusammenstellen konnten, eine gute Möglichkeit bietet, die
Musikerin und die Musiker besser kennen zu lernen sowie Einblicke in die Organisation von Festivals zu
bekommen und nicht zuletzt soll dieses Buch auch dazu dienen, kleine Reisen in Raum und Zeit
unternehmen zu können, etwa vom New Orleans des frühen 20. Jahrhunderts ins heutige Rumänien,
vom Nickelsdorfer Festival ins Paris der 70er Jahre, von Evan Parkers favourite things zur
Ventilposaune von Clifford Thornton, von Southside Chicago zu Paul Lovens’ Schwestern ...
Diese Reisen bringen nicht nur unterschiedliche musikalische, politische, etc. Zugänge mit sich,
sondern auch verschiedene Sprachen. Auf dies wollten wir, soweit es uns möglich war, Rücksicht
nehmen. Deshalb haben wir auf die Übersetzung der englischen Beiträge verzichtet und auch die zwei
französischen Originale drucken lassen. Dass dies den positiven Effekt hat, auch jenseits der Alpen bzw.
des alten Grenzübergangs rezipiert zu werden, war mehr oder weniger kalkuliert. Zu den Übersetzungen
möchte ich sagen, dass ich mich so nahe wie möglich an die französischen Texte angelehnt habe und
keiner Verlockung zur “Nachdichtung” nachgegeben habe. Der ostösterreichische Einschlag wird aber kaum
zu überlesen sein.
Wenn ich die Arbeit an diesem Buch, jetzt, wo fast alles fertig ist, revue passieren lasse, denke ich
mir, dass es sich gelohnt hat, meine “eigentliche Arbeit”, d. h. mein Studium, liegen zu lassen und
mich, zumindest in den letzten Wochen vor der Fertigstellung, völlig auf dieses Buch zu konzentrieren. Ich
haderte hin und wieder damit, zumal diese Arbeit finanziell nicht abgegolten wird, dachte aber in
keinem Moment daran, diese Idee aufzugeben. Ich habe einfach das getan, was ich zu tun hatte.
Dennoch werde ich nicht vergessen, dass ich eine Zeit lang so damit beschäftigt war, dass mir einige
Ideen zu diesem Buch, inhaltlich oder formal, im Traum gekommen sind, und viele mehr im Halbschlaf,
abends oder am Nachmittag ... Sehr inspirierend war auch der Austausch mit Andrea Mutschlechner,
Elvira Faltermeier und Hans Falb, vor allem beim letzten gemeinsamen Treffen in Elviras Wohnung bei
dem uns die Strassenmusiker mit der ständigen Wiederholung von “These Boots Are Made For Walking”
den Rhythmus vorgaben. Ihnen gebührt Dank, aber unvergleichlich mehr den drei davor genannten
Menschen, die mit ihrem Engagement und ihrer Begeisterung diesem Buch Leben einhauchten. Für die
finanzielle Unterstützung, die uns zuteil wurde, möchten wir Esther Hutfless, die uns eine ÖH-Förderung
organisierte, und der Gemeinde Nickelsdorf danken. Weitere Förderer sind das Weingut Lunzer und
Elektro Nitschinger.
Andere Stellen befanden uns nicht für förderungswürdig. Dies bedeutet, dass hier etwas realisiert
wurde, das, wenn alle Beteiligten angemessen bezahlt hätten werden müssen, nie zustande gekommen
wäre. Dieses Buch geht (fast) zur Gänze auf private Initiativen zurück und entstand trotz der unwirtlichen
Strukturen, in denen man allzuoft auf die Rolle des Bittstellers reduziert wird, dank der /passion/ und/
patience /der Beteiligten.
Einigen, den Geldgebern und den IngenieurInnen, habe ich schon gedankt. An dieser Stelle möchte
ich auch den anderen, im Arbeitsprozess wichtigen, Menschen danken: Korrekturlesen: Matthias Pöschl
(engl.), Florence Burnier (frz.), Tom Zlabinger (engl.); Druck: Franz Harapatt und last but not least claus
filip’s computer!
Der größte Dank gilt aber all jenen, deren Beiträge wir hier präsentieren dürfen.
Philipp Schmickl